Er war einer der größten Entertainer der Nachkriegszeit: Quizmaster Hans Rosenthal (1925–1987) wäre heute 100 Jahre alt geworden. Die bekannteste Schöpfung des Show-Genies ist die Spielsendung «Dalli Dalli». Bei Millionen Menschen unvergessen ist, wie der zierliche Showmaster bei besonders tollen Leistungen der Kandidaten einen Luftsprung machte und dazu «Das war spitze!» rief. Wenn er in der Luft stand, wurde das Bild eingefroren – ein legendärer TV-Moment.
Ein Leben im Schatten der Geschichte
Rosenthals Leben war allerdings keineswegs so sonnig wie sein öffentliches Auftreten. Als jüdischer Jugendlicher überlebte er den Holocaust versteckt in einer Berliner Gartenlaube. «Er bekam in seiner größten Notlage während des Holocausts von zwei Frauen Hilfe, die damit ihr eigenes Leben gefährdeten», erzählt Sohn Gert Rosenthal im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Diese mutigen Frauen, die ihm halfen, wurden später von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.
Im Millionenpublikum von «Dalli Dalli» war Rosenthals Vorgeschichte so gut wie unbekannt. Viele wollten es vermutlich auch nicht so genau wissen. «Er hat es nicht extra versteckt», erinnert sich Rosenthals Tochter Birgit Hofmann. «Er hat auch beruflich nie irgendwie ein großes Geheimnis draus gemacht, aber es wurde nicht an die große Glocke gehängt.» Ihr Vater habe immer sein wollen wie alle anderen auch, «ohne Vorteile oder Nachteile».
Engagement über die Bühne hinaus
Was bleibt von Hans Rosenthal? Da ist zunächst sein soziales Engagement, wie sein Sohn erzählt: «Am Ende jeder ‚Dalli Dalli‘-Sendung wurden ein oder zwei Familien unterstützt, die unverschuldet in Not geraten waren.» Die Hans-Rosenthal-Stiftung setzt heute fort, was er so selbst ins Leben gerufen hat. Sein Wunsch, Gutes zu tun, ging weit über den Fernsehbildschirm hinaus – auch privat war er bekannt für seine Hilfsbereitschaft und seinen Respekt gegenüber anderen.
Ein Mensch mit Herz und Humor
Und dann ist da doch noch der Satz, mit dem er oft zitiert wird: «Man muss Menschen mögen.» Sein Sohn Gert, nach dem im Holocaust gestorbenen Bruder benannt, beschreibt das Auftreten seines Vaters so: «Keiner hatte Angst, bei meinem Vater auf die Bühne zu gehen. Denn jeder wusste, er wird nicht fertiggemacht, er wird geschützt.» Bei manchen Spielen habe er sich selbst am Boden gerollt. «Ich glaube, dieses Herzliche, dieser Charme, den er rübergebracht hat, ist, was ihn zum Teil von anderen unterschieden hat.»
Ein Vermächtnis für die Ewigkeit
Hans Rosenthal bleibt in Erinnerung als ein Mann, der das deutsche Fernsehen nicht nur geprägt, sondern ihm ein Gesicht gegeben hat. Ein Gesicht der Freundlichkeit, der Zugewandtheit und der echten Freude an den Menschen. Er war ein Brückenbauer – zwischen Unterhaltung und Menschlichkeit, zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Auch Jahrzehnte nach seinem Tod bleibt sein Wirken spürbar: als Inspiration, als Vorbild und als Mahnung, nie zu vergessen, was Menschen wie ihn geprägt hat – und was sie daraus gemacht haben.